Archive für Juni 2010

John Irving „Letzte Nacht in Twisted River”

letzte-nacht-in-twisted-river1.jpgDer neue Roman des Amerikaners John Irving: „Letzte Nacht in Twisted River“. Die Geschichte beginnt in der Mitte der Fünfziger Jahre des 20.Jahrhunderts. In der Nacht verwechselt der 12-jährige Danny die Frau des Dorfsherriffs mit einem Bären – mit fatalen tödlichen Folgen. Der Junge muß, zusammen mit seinem Vater Dominic, einem Zeltplatzkoch, fliehen. Eine Odyssee beginnt, die sie über oston, Vermont, Iowa bis nach Kanada führt. Küchen bilden stets den Hintergrund für den Versuch, immer aufs neue eine Existenz zu gründen. Um die Herkunft zu verschleiern muß Dominic auch immer wieder nicht nur sich selbst und seinen Sohn erfinden, sondern auch jedes Mal neue Rezepte. Ständig sehnen sich die zwei danach, endlich Ruhe zu  finden, doch ein unnachgiebiger Rächer ist ihnen beständig auf den Fersen, und der vergisst auch Jahrzehnte nach der Tat nicht, wen er zu töten gedenkt.

Ian Rankin „Ein reines Gewissen“

rankin_iein_reines_gewissen_97408_300dpi.jpgDem Schotten Ian Rankin ist schon so manch überwältigender Krimi aus der Feder geflossen. Jetzt wartet er mit einem ganz neuen Ermittler auf, und Malcolm Fox’ erster Fall hat es gleich richtig in sich. Fox ist Mitglied der Abteilung Innere Ermittlungen, die vor allem den eigenen Kollegen auf die Finger sehen und hauen muß. In dem Roman „Ein reines Gewissen“ steht ein Polizist unter dem Verdacht, Kinderpornographie zu verbreiten. Fox soll ihn überführen, doch für ihn steht sehr bald die Unschuld des Mannes fest. Dann geschieht ein Mord, für den Fox verantwortlich sein soll, und ihm bleibt nichts anderes übrig, als die Hilfe des Mannes in Anspruch zu nehmen, den er eigentlich erledigen sollte. Wie bei Mankells Wallander-Romanen, so geht es auch hier über das eigentliche Krimi-Sujet hinaus. Fox und sein Privatleben werden genau geschildert, somit werden seine Konflikte und Schwierigkeiten bei der Arbeit deutlich und nachvollziehbar. Rankin ist ein Meister der tiefgründigen Geschichte und damit den skandinavischen Vertretern dieses Genres ebenbürtig.

Richard Price „Cash“

richard-price.jpgDas Buch „Cash“ von Richard Price ist ein etwas heftigeres Kaliber, nichtsdestotrotz aber ungemein spannend. In der Lower East Side werden eines Nachts drei Männer von zwei dunkelhäutigen Jugendlichen überfallen. Es fallen Schüsse, einer der drei stirbt, die Täter entkommen. Ein Hauptzeuge verstrickt sich bei den Vernehmungen immer mehr in Widersprüche und wird damit für die Ermittler verdächtig. Detective Clark jedoch hat Zweifel an seiner Schuld. Diese grob skizzierte Geschichte bietet das Gerüst, welches diesen herausragenden und in den USA überaus erfolgreichen Roman trägt. Richard Price gelingt ein Blick auf die ungeschminkten Seiten der amerikanischen Gesellschaft. Er enttarnt die glatte Fassade, hinter der sich die Risse verbergen, welche die verlogene Welt aus Glamour, Macht und Geld durchziehen. Ein Spannungsroman, hart und aktuell wie selten, anspruchsvoll und mitreißend geschrieben.

Uli T.Swidler „Toskana für Arme“

cover_swidler.jpgWenn einem der Weg nach Italien in diesem Jahr etwas zu weit ist, macht nichts. Es gibt die „Toskana für Arme“ von Uli T.Swidler. Max hat Liebeskummer, und um zu vergessen sucht er sich eine neue Umgebung. Er macht seinen Traum wahr und kauft ein Haus in Italien. Zwar war das Geld für die Toskana nicht genug, dafür verschlägt es ihn in die Marken, volkstümlich die Toskana für Arme genannt. Schon bald lernt er Gino kennen, seines Zeichens Maurer und Philosoph. Der nimmt Max unter seine Fittiche, und erklärt im schnurstracks erst einmal die Welt und alles drumherum. Sehr schnell merkt Max, wie viel er noch zu lernen hat, besonders auf dem Gebiet der Liebe, denn seine Anna, um deretwegen er die Heimat verlassen hat, kann er doch nicht vergessen. Dieses Büchlein steckt voller lebensklugem Witz und ist die richtige Unterhaltung, wenn die Füße die nächste Wanderung verweigern, oder man am Pool endlich einmal den besten Platz ergattert hat.

„Wildnis, Tiere, Abenteuer“

wildniss-tiere-abenteuer.jpgIst man am Urlaubsort angekommen, so ist dies oftmals für viele Kinder einer der ersten Kontakte mit der mehr oder weniger wilden Natur. Um sich da dann zurecht zu finden und nebenher noch so manches Abenteuer unbeschadet zu überstehen, gibt es dieses überaus strapazierbare Büchlein: „Wildnis, Tiere, Abenteuer“. Der angehende Hobby-Survivor erhält hiermit das unabdingbare Rüstzeug, um sich im heimischen Wald, der afrikanischen Steppe, der sibirischen Tundra oder der grönländischen Hochebene zurecht zu finden. Jede Menge hilfreiche Tipps gibt es zu Themen wie Orientierung in der Natur, Wettervorhersagen selbst erstellen, Unterschlüpfe bauen, Lagerfeuer fachgerecht entzünden oder aber auch Spiel und Spaß in der Wildnis. Mit diesem nahezu unverwüstlichen Buch in der Tasche kann nichts passieren. Sie werden es erleben.

Hannes Hegen “Digedags - Erfinder-Serie”

digedags.jpgDie Digedags kennt unter uns Erwachsenen praktisch jedes Kind. Ob im Orient, mit Ritter Rünkel von Rübenstein, im Alten Rom, dem Wilden Westen oder gar im Weltall – überall waren wir mit den drei findigen Kobolden aus der Zeichenfeder von Hannes Hegen  unterwegs. Dem Verlag Junge Welt gebürt das Verdienst, sie nach der Wende nicht in die Vergessenheit geschickt zu haben. Für nur kurze Zeit gibt es jetzt wieder die berühmte Erfinder-Serie in neun Bänden zu erwerben. Wem noch ein Teil fehlt, der hat jetzt die Gelegenheit, seine Sammlung zu vervollkommnen. Zusammen mit Dig und Dag (Digedag fehlt in dieser Serie) erleben wir nicht nur die Erfindung des Digedaniums oder der Dampfmaschine, sondern treffen auf den Magdeburger Otto von Guericke oder bekommen es im alten Prag mit dem Golem zu tun. Tatsächliches und Erdachtes mischen sich hier, die Zeichnungen haben auch fünfzig Jahre nach ihrer Erschaffung nichts von ihrem Charme eingebüßt und so ist es nach wie vor ein Vergnügen für die Erwachsenen, sich auf eine nostalgische Reise in die eigene Vergangenheit zu begeben, und für die jüngeren Leser gibt es eine völlig anders geartete Comicwelt zu entdecken, die der von Mangas und anderem Haudrauf Dank ihrer Ursprünglichkeit weit überlegen ist.

„Pipipause und ‘ne Brause“

pipipause.jpgWelcher motorisierte Elternteil kennt sie nicht, diese Situation: Die Reise zum Ferienort dauert von Natur aus schon manche Stunde, da gerät man in einen Stau, die Sonne brennt, Papa verkeilt sich in sein Lenkrad, Mama überlegt, ob das so wie es ist sowieso die richtige Entscheidung war und von der Rückbank kommen alle Sekunden lang Textbeiträge wie „Wann sind wir endlich da?“, „Mama, ich muß pullern!“, „Wohin fahrn wir eigentlich?“ und „Jessica ist doof!“. Zeit, dagegen etwas zu unternehmen, und aus dem Hause Igel-Records kommt diese Geheimwaffe gegen den Karrossen-Koller mit dem hinreißenden und alles umschreibenden Titel „Pipipause und ne Brause“. Um zumindest mal für eine dreiviertel Stunde den Streß der Fahrt abzuschalten ist diese CD bestens geeignet. 22 Lieder und kleine Hörspiele beschäftigen alle Mitreisenden, verkürzen so die Zeit bis zur Ankunft und sorgen für fröhliche Unterhaltung.

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